Stadtführung durch das Michaelisviertel (22.08.2026)
Nach einem gemeinsamen Frühstück im Café Bruns trafen wir Birgit von birgitzeigt.bs, die uns auf eine Zeitreise durch das Michaelisviertel am Rand der Altstadt mitnahm. Wir starteten zwischen der Martini-Kirche und dem Amtsgericht. Dort erfuhren wir, warum die Martini-Kirche zwei gleichhohe Kirchtürme hat und, dass es im Amtsgericht für die verschiedenen Prozessparteien einzelne Fahrstühle gibt.
Von dort ging es zur Jakob-Kemenate, wo wir erfuhren, dass dies im Mittelalter ein beheizbarer Wohnraum war, der den Fachwerkhäusern nach hinten angebaut wurde. Gegenüber dem jüdischen Gemeindehaus und dem angeschlossenen Bunker bestaunten wir die reichverzierten Fachwerkhäuser auf der Alten Knochenhauerstraße, in denen im Mittelalter die wohlhabenden Knochenhauer wohnten. Jedoch war ihr Beruf nicht so gut angesehen, weshalb sie sich am Rand der Altstadt niederließen. Von dort aus ging es über die Güldenstraße zur Braunschweiger Stadtmauer am Prinzenweg. Kennt ihr die Kanone "Faule Mette"? Neben dem Café Friedas im Schatten der Stadtmauer findet ihr tatsächlich noch einige Kanonenkugeln der "Faulen Mette". Außerdem befand sich auf dem Platz Braunschweigs einziges Beguinenhaus. Dort konnten alleinstehende oder verwitwete Frauen gemeinsam wohnen.
Gegenüber des Platzes wohnte der Braunschweiger Kurt Seeleke, von dem uns Birgit erzählte, dass er unter Einsatz seines Lebens im Zweiten Weltkrieg verschiedene Standbilder, u.a. den Braunschweiger Burglöwen im Stollen des Rammelsbergs in Goslar vor der Zerstörung in Sicherheit brachte oder bei Luftangriffen auf dem Kirchturm stand, um zu schauen, wo es in der historischen Altstadt Braunschweigs brandte, um diese Feuer dann eigenhändig zu löschen.
Am ehemaligen Stadttor erzählte uns Birgit, dass einige Händler und Bauern im Mittelalter dort ihre Frauen "verpfändeten", wenn sie nicht genügend Geld für den Wegezoll hatten. Die Frauen kamen dann hier in Geiselhaft (daher hat der benachtbarte Gieseler seinen Namen) und wurden nach Marktende wieder ausgelöst.
Hier direkt am Stadttor bzw. an der Stadtmauer wohnten die unreinen Berufe, wie Henker oder Prostituierte.
Hinter der Michaeliskirche und dem Michaelishof befand sich im Mittelalter ein Wohngebäude für die verwitwetem Pfarrersfrauen, welches heute noch erhalten ist. Obwohl es üblich war, dass nachdem ein Pfarrer verstarb, der nachfolgende neue Pfarrer die Pfarrerswitwe heiratete, wa dies irgendwann nicht mehr praktikabel, weshalb das Wohnhaus für die verwitweten Pfarrersfrauen errichtet wurde.
Der Michaelishof wurde in den 1980er Jahren wieder aufgebaut. Mit dem Wiederaufbau wurden Zimmermänner aus Stettin beauftragt, die ihre Herkunft im Fachwerk verewigten. Neben dem polnischen Sloty und dem Stettiner Stadtwappen finden sich dort aber auch interessante Abbilder von Studenten (mit einem Brett vorm Kopf) oder Figuren, die monetäre Sprichwörter aufgreifen (Geld sch...).
Nach einem Blick in die Michaeliskirche endete dieser informative Rundgang. Vielen Dank Birgit für diese fantastische Führung.
[Alle Fotos zur Rubrik Tourismus anzeigen]








